Kolumne vom 20.02.2017 - Nr. 444


Preston & Child

daumen rauf

Demon – Sumpf der Toten

Demon Sumpf der Toten

In der Kleinstadt Exmouth an der Küste von Massachusetts soll Special Agent Pendergast den Raub einer wertvollen Weinsammlung aufklären. Im Weinkeller stößt er überraschend auf eine frisch zugemauerte Nische. Hinter der Wand sind Ketten zu finden, außerdem ein menschlicher Fingerknochen. Offenbar wurde hier vor langer Zeit jemand lebendig eingemauert. Die Einbrecher haben das Verlies geöffnet, das Skelett herausgeholt und die Mauer wieder geschlossen – der Weinraub war anscheinend reine Ablenkung. Schnell muss Pendergast lernen, dass Exmouth eine äußerst dunkle Vergangenheit hat.

Wollen Sie eine spannende Handlung, zahlreiche Wendungen, eine außergewöhnliche Geschichte, einen Helden, der schon lang eine absolute literarische Kultfigur geworden ist? Dann lesen Sie die Pendergast-Thriller des Autorenduos Preston & Child. Das alles trifft natürlich auch auf den aktuellen Pendergast-Thriller „Demon“ zu. Es beginnt harmlos, aber schnell wird daraus so viel mehr und man bleibt gebannt an der Story dran. Pendergasts eigenwillige Herangehensweise an die Dinge und sein Charakterkopf machen auch diesen Thriller wieder zu was ganz besonderem!

Knaur, 458 Seiten; 19,99 Euro


Paul Ewen

daumen runter

Francis Plugs Handbuch für Autoren

Francis Plugs Handbuch für AutorenFrancis Plug – Hobbyautor, Berufsgärtner und Sonderling – sorgt für Chaos und Verwirrung, wo immer er auftaucht. Und am liebsten taucht er auf Autorenlesungen auf. Dort sucht er das Gespräch mit literarischen Größen wie Salman Rushdie, Margaret Atwood, Julian Barnes oder Hilary Mantel. Denn Plug sammelt Material für ein großes Buchprojekt: einen Ratgeber für angehende Schriftsteller, der ihnen dabei helfen soll, öffentliche Auftritte zu meistern. Dass Plugs Vorhaben haarsträubend aus dem Ruder läuft, liegt nicht an seinen illustren Studienobjekten. Sondern daran, dass er seinen ärgsten Feind nicht in den Griff bekommt: sich selbst.

Auf diesen Roman war ich sehr gespannt. Einen frischen und lustigen Blick auf die Literaturwelt habe ich mir erwartet. Natürlich eine spannende Geschichte. Leider habe ich gar nichts von dem bekommen, was ich mir versprochen hatte. „Francis Plugs Handbuch für Autoren“ wird ganz schnell ganz langweilig, weil nichts wirklich Neues passiert. Der Titelheld befragt einen Autor nach dem anderen, alles britische, wenn ich das richtig gesehen habe. Die Befragungen sind zudem meist alle sehr kurz und humorvoll sollen sie sein, aber das sind sie nicht wirklich. Die jeweiligen, ebenfalls kurzen Betrachtungen des Geschehens, sind manchmal so etwas wie witzig. Ein großer Spaß war dieses Buch für mich nicht.

Manhattan, 349 Seiten; 19,99 Euro


Mary Beard

daumen rauf

SPQR – Die tausendjährige Geschichte Roms

SPQR Die tausendjährige Geschichte Roms SPQR erzählt die Geschichte eines Weltreichs, lässt uns Kriege, Exzesse, Intrigen miterleben, aber auch den römischen Alltag – wie Ärger in den Mietshäusern und Ciceros Scheidung. Sie lässt uns hinter die Legenden und Mythen blicken, hinterfragt sicher Geglaubtes und kommt zu überraschenden Einsichten. So erscheint Rom ganz nah – in seinen Debatten über Integration und Migration – und dann doch auch faszinierend fern, wenn es etwa um Sklaverei geht. Die Geschichte Roms für unsere Zeit.

Mary Beard präsentiert mit „SPQR“ Historisches in einem frischen und spannenden Gewand. Sie geht die Geschichte Roms ungewöhnlich an, beginnt mit entscheidenden Phasen des Reichs, bevor sie dann wirklich zu den Anfängen kommt. Und nie lässt sie es an dosiertem Detailreichtum und spannender Erzählform vermissen. Sie breitet nicht alles bis ins allerkleinste Detail aus, sondern nimmt den Leser mit auf eine spannende Reise, die ihn nicht literarisch quälen soll. Überrascht wird man bei mancher Passage sein, weil man erkennt, so ähnlich ist das ja auch noch heute bei uns. Alleine daran sieht man, welch prägenden Einfluss Rom, das Reich, auf die Menschen und auf Europa auch nach 2.000 Jahren noch hat.

S. Fischer, 656 Seiten; 28,00 Euro


Mary Louise Parker

daumen rauf

Die Männer meines Lebens

Die Männer meines Lebens

Eine Liebeserklärung an die Männer. Mary-Louise Parker hat 32 Briefe an die Männer ihres Lebens geschrieben. So schreibt sie an ihren verstorbenen Vater, den sie schmerzlich vermisst, an ihren Großvater, den sie nie kennengelernt hat, an ihren Sohn, den sie abgöttisch liebt. Sie schreibt ehemaligen Liebhabern und den Wildfremden, die der Zufall manchmal zu Zeugen unserer verletzlichsten Momente macht. Da ist der Schauspiellehrer, der sie fast durchfallen lässt, der zukünftige Mann ihrer Tochter, der Feuerwehrmann, dem sie am 11. September in New York auf der Straße in die Arme fällt, der krebskranke Mann, mit dem sie auf einer Cocktailparty eine schmerzlich kurze, innige Freundschaft schließt.

Hollywood-Star Mary-Louise Parker, die in der geniale Serie „Weeds“ die Hauptrolle genial verkörpert, hat sich aufs literarische Parkett gewagt, und mit „Die Männer meines Lebens“ hat sie einen literarischen Volltreffer gelandet! Man verliebt sich in Mary-Louise Parkers Sprache, man „verliebt“ sich auch in die Männer, von denen sie erzählt, denn jeder hat eine Geschichte zu erzählen, die durch Mary-Louise Parkers Augen wiedergegeben wird. Und es sind Geschichten aus dem Leben, in denen man sich wiederfindet. „Die Männer meines Lebens“ – ein kleiner literarischer Schatz mit Langzweitwirkung!

S. Fischer, 286 Seiten; 20,00 Euro


Jesse Eisenberg

daumen rauf

Fünf von fünf Sternen

Fünf von fünf Sternen

Ein neunjähriger Junge muss mit seiner Mutter essen gehen, immer in ein anderes Restaurant, und so bewertet er alles mit den Augen eines Kindes: Den fancy Japaner mit dem Thunfisch, der nicht nach Thunfisch schmeckt, das Date der Mutter, die Lügen der Erwachsenen, die sich für eine Rechnung bedanken. Er selbst aber will nicht lügen, denn "Lügen sind etwas für Erwachsene, die traurig sind mit ihrem Leben." Nur eine von vielen Storys.


Hollywood-Star Jesse Eisenberg, als Charaktermime in der Filmhauptstadt hoch im Kurs, tauscht das Vor-der-Kamera-stehen gegen Hinter-dem-Computermonitor-sitzen-und-schreiben ein. In über 40 Storys beweist er, dass er den Blick hat, Geschehnisse in kleinen Geschichten einzufangen. Er legt sich dabei auf nichts fest, mal lustig, mal traurig, mal spannend. „Fünf von fünf Sternen“ bekommt vier Sterne!

Eichborn, 300 Seiten; 20,00 Euro


Hörbuch der Woche

daumen rauf

John Williams

Augustus

AugustusOctavius ist neunzehn, sensibel, wissbegierig, und er will Schriftsteller und Gelehrter werden. Doch als Großneffe und Adoptivsohn Julius Cäsars fällt ihm nach dessen Ermordung ein gewaltiges politisches Erbe zu: Ihm, der von schwächlicher Konstitution aber enormer Willenskraft ist, wird es durch Glück, List, Intelligenz und Entschlossenheit gelingen, das riesige Römische Reich in eine Epoche des Wohlstands und Friedens zu führen.

Dtv hat John Williams (1922 – 1994) für Deutschland wieder entdeckt und damit drei Bestseller gelandet! „Butcher’s Crossing“, „Stoner“ und nun „Augustus“, John Williams letztem Roman, für den er 1973 den National Book Award erhielt. Ein monumentaler Klassiker! Hollywood könnte daraus eine 200-Millionen-Dollar-Produktion machen. Doch diesen spannenden literarischen Hochgenuss zu lesen, das ist noch besser. Augustus lebt, Rom lebt, so plastisch hat John Williams diesen Roman geschrieben. Gelesen wird dieser Briefroman von über 30 überwiegend sehr bekannten Sprechern. Darunter sind Christian Redl als Augustus, Hans Zischler Marcus Tullius Cicero, Jens Wawrczeck als Gaius Cilnius Maecenas und Corinna Kirchoff als Octavia.

Auch als Hardcover erhältlich bei dtv, 24,00 Euro.

Der Hörverlag, 2 MP3 CDs, 851 Minuten; 24,99 Euro


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