Kolumne vom 20.03.2017 - Nr. 448


Carsten Jensen

daumen rauf

Der erste Stein

Der erste Stein

In einem Militärcamp in Afghanistan trifft ein Zug dänischer Soldaten ein, 24 Männer und die Soldatin Hannah unter Führung des charismatischen Rasmus Schrøder. Alle sind hochmotiviert, hervorragend ausgebildet und abenteuerhungrig. Doch die Tage fließen monoton dahin, bis durch eine Landmine zwei Männer sterben und eine sich immer schneller drehende Spirale der Gewalt in Gang setzt. Als schließlich Schrøder die Truppe verrät, gerät alles außer Kontrolle.

 Ein sprachgewaltiger, schockierend großartiger Roman! Die Sinnlosigkeit und den Irrsinn des Krieges zeigt der Däne Carsten Jensen in „Der erste Stein“ auf eindringliche Weise. Das trostlose Leben in einem Armeelager, der staubige Alltag, das Warten auf den Krieg. Dann die Anschläge, die Verstümmelten, die Toten und auch noch ein gewisser Krieg untereinander. Man leidet mit, man fühlt mit, man spürt den Dreck, das Blut auf seiner Haut, den Tod ist zum Greifen nah. Dieser Roman schüttelt einen kräftig durch, danach sieht man die täglichen Horrormeldungen von den kriegerischen Auseinandersetzungen im Mittleren und Nahen Osten mit anderen Augen. Ein europäischer Afghanistan-Kriegesroman, der lange nachhallt. Genial!

Knaus, 638 Seiten; 26,00 Euro


Christopher Lück

daumen runter

Emma, der Kaktus und ich

Emma der Kaktus und ichGerd Gerthner, Langzeitstudent mit wirren Schriftsteller-Ambitionen und obendrein mit dem scheußlichsten Namen der Welt ausgestattet, ist ein Anti-Held, wie er im Buche steht. Noch nie hatte er Glück bei Frauen. Mehr noch: er hatte überhaupt noch nie Glück, wie die Anekdoten seines Traumtänzer-Lebens widerspiegeln. Doch als Gerd im Botanischen Garten in Berlin Unterstützung für seinen vertrockneten Kaktus „Nopsi“ sucht, trifft er auf die eigenwillige Gärtnerin Emma. Es ist Liebe auf den ersten Blick. Bis Emma schwanger wird – und kompliziert. Gerds Plan klingt zwar gut: er will sich am Ort ihres Kennenlernens an einer Palme erhängen, um in letzter Sekunde von Emma gerettet zu werden. Nur dumm, dass Gerd selbst für einen Selbstmord zu sensibel ist.


„Eine turbulente Beziehungskomödie“ steht hinten auf dem Buch. Da war ich gespannt. So eine Mischung aus Tommy Jaud und Susanne Fröhlich hatte ich mir vorgestellt. Doch leider verflacht der anfängliche Witz von „Emma, der Kaktus und ich“ sehr schnell. Und schon bald ist der Roman gar nicht mehr komisch, sondern eigentlich nur noch peinlich. Auch sucht man vergebens nach der Beziehungskomödie, denn das Buch handelt hauptsächlich von Gerd Gerthner und seinen Problemen, die auch Frauen einschließen. Der Debütant Christopher Lück zeigt nur in Ansätzen, dass er einen lustigen Roman schreiben kann.

Goldmann, 190 Seiten; 8,99 Euro


Ursula Poznanski

daumen rauf

Schatten

Schatten Ein Mann, grausam zugerichtet in seiner Wohnung. Eine Hebamme, ertränkt in einem Bach - zwei Fälle, die Beatrice Kaspary als Ermittlerin im Dezernat Leib und Leben der Polizei Salzburg lösen muss. Schnell erkennt Beatrice, dass die beiden Morde zusammenhängen - und dass sie etwas mit ihr zu tun haben müssen. Denn sie kannte beide Toten. Sie konnte sie nicht leiden. Und sie weiß: Wenn sie nicht handelt, wird es weitere Opfer geben. Doch Beatrice muss auch um ihr eigenes Leben fürchten …

 „Schatten“ ist der vierte Fall der hochwertigen Thriller-Reihe um das Salzburger Ermittlerteam Beatrice Kaspary und Florin Wenninger. Ein Psychothriller-Hochgenuss! Die Wienerin Ursula Poznanski knüpft bei der Qualität der Geschichte, und bei dem intensiven Figurengeflecht, nahtlos an die Vorgängerromane an. „Schatten“ saugt die Spannung vor allem aus der psychologischen Ebene. Und hier gibt die Autorin alles. Man wird als Leser zusammen mit Beatrice Kaspary in den gefährlichen Strudel hineingezogen und hofft, dass es gut ausgehen wird. Zudem weiß „Schatten“ immer wieder zu überraschen.

Auch als Hörbuch erhältlich bei Argon Hörbuch. Der großartigen Andrea Sawatzki zuzuhören macht immer großen Spaß! Egal ob sie eine Komödie liest, oder in diesem Fall einen spannenden Thriller. 19,95 Euro.

Wunderlich, 410 Seiten; 14,99 Euro


Tom Clancy / Mark Greaney

daumen rauf

Mit aller Gewalt

Mit aller Gewalt

Eine nordkoreanische Interkontinentalrakete stürzt ins Japanische Meer. In Ho-Chi-Minh-Stadt wird ein CIA-Offizier ermordet, und ein Paket mit gefälschten Dokumenten verschwindet. Jack Ryan junior und seine Agentenkollegen vom Campus haben nicht viel Zeit für Nachforschungen, aber alle Spuren führen nach Nordkorea, wo ein junger, unerfahrener Diktator ein großes Nuklearprogramm umsetzen will. Bisher fehlten dem Land die finanziellen Mittel. Jetzt ist man auf Bodenschätze gestoßen, die auf dem Weltmarkt viel einbrächten. Präsident Jack Ryan muss das verhindern – mit aller Gewalt.

Der neue Tom Clancy, auch wenn er von Mark Greaney geschrieben ist, hat es in sich! Ein Action-Thriller in dem es hoch hergeht. Jack Ryan und Jack Ryan junior in Höchstform. In diesem Roman führt Mark Greaney das Erbe von Tom Clancy, der leider 2013 verstorben ist, beeindruckend fort. Und Tom Clancy würde wieder staunen, wie das, was unter seinem Namen erscheint, die Aktualität schon wieder mal vorweggenommen hat. Donald Trump und Nordkorea, das verheißt nichts Gutes.

Heyne, 733 Seiten; 26,99 Euro


Klaus Brinkbäumer

daumen rauf

70 – Der Spiegel 1947 - 2017

70 Der Spiegel 1947 2017

Am 4. Januar 1947 startete der 24-jährige Journalist Rudolf Augstein zusammen mit Gleichgesinnten den abenteuerlichen Versuch, im kriegszerstörten und von der Nazi-Hetze zerfressenen Deutschland ein Nachrichtenmagazin nach angloamerikanischem Vorbild zu erschaffen. Mit immer neuen Enthüllungsgeschichten, Reports, scharfen Analysen und sinnlichen Reportagen ist daraus in den folgenden Jahrzehnten DER SPIEGEL geworden, der in der Welt als Stimme eines demokratischen Deutschland geschätzt und im Lande als Leitmedium der vierten Gewalt respektiert, verehrt, verachtet und gefürchtet wird.

70 Jahre „Der Spiegel“ bedeuten auch 70 Jahre deutsche Geschichte. Die Kombination aus beiden macht das Buch so spannend und zu einer Lektüre, in der man immer wieder blättern kann. Jeder Leser kann sich an die Ereignisse zurückerinnern, die in diesem Buch stehen. Die einen an mehr, die anderen an weniger. Daher ein Buch, das für jeden etwas bringt. Es ist chronologisch aufgebaut und gewährt einem auch schnell einen Überblick. „70 – Der Spiegel 1947 – 2017“ ist ein informatives und erhellendes Buch!

DVA, 478 Seiten; 34,99 Euro


Hörbuch der Woche

daumen rauf

Andreas Eschbach

Rückkehr nach Terra

Rückkehr nach TerraSeit die Menschheit ins All aufgebrochen ist, hat sie eine wechselvolle Geschichte erlebt: Die Terraner - wie sich die Angehörigen der geeinten Menschheit nennen - haben nicht nur die eigene Galaxis erkundet, sie sind längst in ferne Sterneninseln vorgestoßen. Immer wieder treffen Perry Rhodan und seine Gefährten auf raumfahrende Zivilisationen - und auf die Spur kosmischer Mächte, die das Geschehen im Universum beeinflussen.

Perry Rhodan ist Kult! Die Science-Fiction-Roman-Reihe begeistert seit 1961 seine Leser. Viele verschiedene Autoren haben für die Romanheft-Reihe geschrieben, darunter auch ein ganz bekannter, Bestsellerautor Andreas Eschbach. In diesem Hörbuch sind vier Romane vereint. „Der Gesang der Stille“ gelesen von Tom Jacobs, „Die Rückkehr“ gelesen von Renier Baaken, „Die Falle von Dhogari“ gelesen von Michael-Che Koch und „Der Techno-Mond“ gelesen von Andreas Laurenz Maier. Durch die unterschiedlichen Geschichten, die alle spannend sind, und Sprecher, bietet dieses Hörbuch viel Abwechslung.

Lübbe Audio, 2 MP3 CDs, 833 Minuten; 14,90 Euro


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