Kolumne vom 03.04.2017 - Nr. 450


Jussi Adler-Olsen

daumen rauf

Selfies

Selfies

Vizepolizeikommissar Carl Mørck wird zur Aufklärung eines brutalen Todesfalls von der Mordkommission in Kopenhagen hinzugezogen. Wie sich herausstellt, gibt es eine Verbindung zu einem mehrere Jahre zurückliegenden und ausgesprochen brisanten cold case. Ausgerechnet jetzt geht es Carls Assistentin Rose sehr schlecht. Sie wird von grauenhaften Erinnerungen aus ihrer Vergangenheit heimgesucht. Rose kämpft mit aller Macht dagegen an. Welche Rolle spielen die jungen Frauen Michelle, Jasmin und Denise, die sich zu einem starken und hochexplosiven Kleeblatt verbündet haben?

Ein gesellschaftskritischer Kriminalroman, der vor allem die unteren Schichten der Gesellschaft zeigt. Junge Frauen, die zu faul zum Arbeiten sind, nur ihr Aussehen im Kopf haben, aber jeden Monat Geld vom Staat wollen. Diese treffen auf eine Sachbearbeiterin vom Sozialamt, bei der Krebs diagnostiziert wird, und die dann langsam beginnt durchzudrehen. Mit der unscheinbaren Anne-Line Svendsen hat Jussi Adler-Olsen wohl eine der ungewöhnlichsten Serienkillerinnen der Thrillergeschichte erschaffen. Jussi Adler-Olsen lotet die menschlichen Abgründe bis ins kleinste Detail aus. Er geht intensiv auf die Psyche seiner Figuren ein. „Selfies“ – ein bedrückender Thriller, der begeistert und das ganze Können des dänischen Bestsellerautors Jussi Adler-Olsen zeigt.

dtv, 573 Seiten; 23,00 Euro


Val McDermid

daumen runter

Schwarzes Netz

Schwarzes NetzPolizeipsychologe Tony Hill ist mit einer mysteriösen Serie von Selbstmorden konfrontiert. Stets sind es Frauen, die mitten im Leben stehen, mit ihren prononcierten Meinungen jedoch einen Shitstorm von Internet-Trollen hervorgerufen und diesen offenbar nicht verkraftet haben. Merkwürdig nur, dass sie alle den Freitod berühmter Schriftstellerinnen wie Sylvia Plath, Virginia Woolf oder Anne Sexton imitieren und sich deren Werke jeweils in der Nähe der Toten finden. DCI Carol Jordan ist unterdessen zurück in ihrem alten Job bei der Polizei und bekommt ein neues Team, mit dem sie im Norden Englands schwere Fälle aufklären soll. Die rätselhafte Serie von Suiziden wird für sie zur Nagelprobe.

Ich schätze die Britin Val McDermid sehr für ihre großteils außergewöhnlich guten Kriminalromane und Thriller. Dazu gehört auch die Serie um DCI Carol Jordan und Profiler Tony Hilll. Daher war ich sehr gespannt auf den neuen, den neunten Fall der beiden. Leider enttäuscht Val McDermid diesmal großteils. Auch wenn man die beiden Hauptfiguren als Fan sehr mag, so hat es Val McDermid diesmal doch etwas übertrieben mit den Privatgeschichten. Ihre Ausführungen dazu sind ausufernd und langweilig und bringen die eigentlich gute Story nicht voran, die nicht einmal die Hälfte des Romans ausmacht. Ein Roman ja, denn ein Thriller, so wie es auf dem Cover steht, ist dieses Buch garantiert nicht. Trotzdem hoffe ich, dass es mit den beiden Hauptfiguren noch lange weitergeht.

Knaur, 459 Seiten; 9,99 Euro


Stefan Ahnhem

daumen rauf

Minus 18 Grad

Minus 18 Grad In Helsingborg wird ein Auto aus dem Hafenbecken geborgen. Ein Unfall wird angenommen. Doch bei der Obduktion stellt sich heraus, dass der Fahrer schon lange tot war, als das Auto ins Wasser stürzte. Kommissar Fabian Risk und seine Kollegen untersuchen den mysteriösen Todesfall. Jemand glaubt, den Toten erst letzte Woche gesehen zu haben. Wie ist das möglich? Risk hat einen Verdacht, aber der ist so absurd, dass er ihn zunächst selbst nicht glauben will. Doch es wird noch weitere Opfer geben, ein Serienmörder ist am Werk. Nur durch Zufall ist die Polizei jetzt auf seine Spur gekommen. Der Tote im Hafenbecken war nicht das erste Opfer, und noch lange nicht das letzte …

Der Schwede Stefan Ahnhem hat sich schnell zu einem Krimi-Star entwickelt. Sein ausgezeichnetes Debüt „Und morgen du“ war ein Bestseller, genauso wie sein Nachfolger „Herzsammler“. Auch der dritte Fall für Fabian Risk „Minus 18 Grad“ reiht sich hier ein. Der steht seinen Vorgängern in nichts nach. Stefan Ahnhem entwickelt seinen Kommissar Fabian Risk und alle weiteren Figuren aus dem Team mit Bravur weiter. Die ermittelnden Personen und ihre persönlichen Dramen sind schon eine ganz eigene Story in dem Roman. Aber auch der Kriminalfall bietet einige Wendungen und lässt den Leser lange im Dunkeln tappen. Eiskalte Krimiliteratur, die von einem spannenden Moment zum nächsten eilt!

List, 551 Seiten; 16,99 Euro


Hans-Jürgen Jakobs

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Wem gehört die Welt?

Wem gehört die Welt

Sie heißen Larry Fink, Stephen Schwarzman oder Abdullah bin Mohammed bin Saud Al-Thani. Mit ihren Billionen schweren Fonds legen Blackrock, Blackstone oder Qatar Investment mehr Geld an als Deutschland erwirtschaftet. Sie dominieren längst die zentralen Felder der Weltwirtschaft und konzentrieren Geld und Einfluss wie nie zuvor. Doch wer sie wirklich sind und welche Ziele sie verfolgen, wusste bisher niemand. Die 200 mächtigsten Akteure des Weltfinanzwesens, die hier im Porträt vorgestellt werden, versammeln zusammen mehr als 40 Billionen US-Dollar – das sind 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts der Welt oder fast das Dreifache der Wirtschaftsleistung der EU.

Ein informatives Lexikon der Weltfinanzen! Wem gehört was vom Weltkuchen der Finanzen? Dieses Buch klärt darüber ausführlich auf. Hans-Jürgen Jakobs. Ex-Chefredakteur des „Handelsblatts“, ist mit „Wem gehört die Welt?“ ein umfassender Blick in die Welt der Hochfinanzen gelungen. Es zeigt leider auch auf dramatische Weise auf, dass wenige viel haben, und viel wenig haben. Die, die viel haben, haben Verantwortung für die, die wenig bis nichts haben. Einige Reiche der Welt schenken ihr Vermögen zu großen Teilen her, um damit andere zu unterstützen. Leider sind es immer noch viel zu wenige.

Knaus, 680 Seiten; 36,00 Euro


Kai Meyer

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Die Krone der Sterne

Die Krone der Sterne

Das galaktische Reich Tiamande wird von der allmächtigen Gottkaiserin und ihrem Hexenorden beherrscht. Regelmäßig werden ihr Mädchen von fernen Planeten als Bräute zugeführt. Niemand weiß, was mit ihnen geschieht. Als die Wahl auf die junge Adelige Iniza fällt, soll sie an Bord einer Raumkathedrale nach Tiamande gebracht werden. Ihr heimlicher Geliebter Glanis, der desillusionierte Kopfgeldjäger Kranit und die Alleshändlerin Shara Bitterstern müssen zusammenarbeiten, um Iniza zu retten. Sie kämpfen um ihre Zukunft – und gegen eine kosmische Bedrohung, die selbst die Sternenmagie der Gottkaiserin in den Schatten stellt.


Kai Meyer ist eine Marke im Fantasy-Genre! Über ein Jahrzehnt hinaus liefert er in diesem Genre einen Bestseller nach dem anderen ab. Und nun vereint er mit „Die Krone der Sterne“ auf spektakuläre Weise die Genres Fantasy und Science Fiction. Tolle Charaktere, jede Menge Spannung und eine ideenreiche Welt. Was will man mehr. Galaktisch gute Unterhaltung! Und die Fans dürfen sich auf mehr freuen – die Geschichte wird fortgesetzt.

TOR, 461 Seiten; 14,99 Euro


Hörbuch der Woche

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Marina Heib

Drei Meter unter Null

Drei Meter unter Null AudioSie beobachtet ihre Opfer. Sie plant ihre Morde. Nichts will sie dem Zufall überlassen. Sie schlägt den Weg der Gewalt jedoch nicht ohne Grund ein. Ihr Leben lang bemühte sie sich um ein normales Leben. Doch die Hülle der Normalität umschloss eine tiefe Verzweiflung, die sie zu verbergen wusste. Bis zu einem nebligen Donnerstag im November. Dem Tag, an dem sie beschließt, eine Mörderin zu werden. Sie will die Dämonen vernichten. Sie will Rache. Sie empfindet kein Mitleid. Sie sollen leiden. Genau wie sie.

„Drei Meter unter Null“ ist ein fantastischer, eindringlicher Thriller, über eine junge Frau, die Rache nimmt! Die Protagonistin will morden, einfach so, das denkt man zumindest zu Anfang. Doch hinter ihren Mordplänen steckt viel mehr. Und so erfährt man, was in ihrer Kindheit geschah, wie aus ihr die wurde, die sie heute ist. Marina Heib schildert das spannend und lässt einen tief in die Seele ihre Protagonistin blicken. Am Anfang versteht man ihren Plan nicht, am Ende umso mehr. Aber zurück bleibt Dunkelheit. Anna Thalbach zuzuhören, ist wie ein klassisches Konzert zu hören. Sie hat die lauten und die leisen Töne gleichermaßen im Repertoire.

Drei Meter unter Null

Auch als Hardcover erhältlich bei Heyne, 19,99 Euro

Random House Audio, 5 CDs, 387 Minuten; 19,99 Euro


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